Engagement für die Gemeinschaft

Christoph Krause ist Pfarrer im Ruhestand. Mit dem Ruhestand geht ein Alter einher, das einen großen Erfahrungsschatz mit sich bringt. Ich habe mich mit Pfarrer Krause verabredet, um etwas von diesem Schatz zu heben. Das Thema ist Engagement.

Ich hatte bei einer Diskussion zum Thema Engagement im Landkreis eine gewisse Ratlosigkeit wahrgenommen. Damit will ich mich aber nicht abfinden. Darum sitze ich jetzt also bei einem gut gelaunten Ruheständler, trinke Kaffee und frage, was ich als Landrat tun könnte, um Engagement zu fördern.

Gemeinsinn entwickeln

Engagement ist freiwillig. Es entspringt der Überzeugung, dass man selbst etwas für das Zusammenleben in der Gemeinschaft tun kann und sollte. Weil sonst kaum etwas in der Kommune los ist. Manche meckern und warten, das andere etwas tun. Andere packen an. Sie zeigen Gemeinsinn.

Pfarrer Krause erzählt von diesem Sinneswandel in Pretzsch. 2013 hat sich dort der Kultur- und Heimatverein Christiane Eberhardine e.V. gegründet. Der Verein hat das Stadtfest wieder belebt. Er hat den Ort mit Sitzbänken auf Spendenbasis versorgt und Schilder anfertigen lassen, die Sehenswürdigkeiten erklären.

Dazu habe es einen moderierten Prozess gegeben, der die Gründung begleitet hat, erzähl Christoph Krause. Hier saßen alle Interessierten an einem Tisch. Dabei haben sie ihre Vorstellungen, wofür und wie man sich engagieren will, auf einen Nenner gebracht. Dieser Prozess sei durch die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt e.V. moderiert worden. Das klappt nicht immer. „Aber wer reich ernten will muss reich säen!“ sagt der Pfarrer dazu.

Hier bewegt sich was

Engagement vor Ort zu fördern, indem Gründungs- und Findungsprozesse begleitet werden – diese Idee nehme ich mit auf den anschließenden Spaziergang durch den Ort. Im Schloss ist eine Förderschule untergebracht, für die der Kreis Räume mietet. Das Schlossareal wird durch eine Landesgesellschaft verwaltet. Stadt und Land haben den Schlossgarten gemeinsam mit Fördermitteln wieder hergestellt – Fördermittel, die es nach dem letzten großen Hochwasser gab.

Eine Telefonzelle als Bürgerbibliothek, ein Heimatmuseum, ein saniertes Denkmal für einen Lehrer … der frische Gemeinsinn ist in Pretzsch auf ein paar Metern mehrfach greifbar. Es ist ein kleiner Schritt, um wieder mehr Menschen für das kleine Städtchen an der Elbe zu gewinnen.

Offene Kirche durch Bundesfreiwilligendienst

Am Ende unseres Rundgangs durch Pretzsch werfen wir noch einen Blick in die St. Nikolaus Kirche. Christoph Krause zeigt mir die Gruft der berühmtesten Tochter der Stadt, Kurfürstin Eberhardine, und die Grabdenkmäler derer von Armins. Er will mir aber auch seinen neuen Arbeitsplatz zeigen. Nicht die Kanzel oder das Rednerpult, an das der Pfarrer im Ruhestand immer noch hin und wieder tritt, sondern einen Büchertisch am Eingang der Kirche.

„Hier trete ich in ein paar Wochen meinen Bundesfreiwilligendienst an, um die Kirche für die Menschen im Landkreis und für Touristen zu öffnen.“ erklärt er. Auch das ist Engagement und es fängt immer mit dem Entschluss an, etwas zu tun, von dem man nicht unmittelbar selbst etwas hat.

Vom Pfarrer zum „Bufdi“ – Christoph Krause zeigt mir ST. Nikolaus in Pretzsch

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